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Abgeschlossene Projekte

MONITORING ZUM SCHUTZ DER WILDKATZE IN DER SCHWEIZ 2015-2018

Europäische Wildkatze im Jura, 2016. © KORA

Die europäische Wildkatze Felis silvestris ist eine geschützte Art. Wildkatzen sind heimliche Waldbewohner. Sie leben solitär und standorttreu in Revieren von variierender Grösse, die von Ressourcen wie dem Nahrungsangebot, dem Vorhandensein von Ruheplätzen, aber auch von der Jahreszeit abhängen. In der Schweiz war die Wildkatze im Mittelland und im Jura weit verbreitet, ab dem 19. Jahrhundert begrenzte sich ihr Vorkommen auf den Jura. Ob sie danach im Verlauf des 20 Jahrhunderts im Jura ausgerottet wurde oder eine Restpopulation überlebt hat, bleibt offen.

Der Status der Wildkatze in der Schweiz wurde erst in den vergangenen Jahren erstmals aufgenommen und lässt vermuten, dass sich einige hundert Tiere vorwiegend im Jura aufhalten. Heute wird die Wildkatze im Schweizer Jura wieder regelmässig beobachtet. Sie breitet sich im Jura aus und scheint auch langsam das Mittelland zu besiedeln. Die genaue Verbreitung und die Populationsdynamik der Wildkatze in der Schweiz sind jedoch nicht bekannt. Es existiert kein langfristiges etabliertes Monitoring, und Meldungen von Sichtbeobachtungen sind nicht zuverlässig auf Grund des Risikos einer Verwechslung mit wildkatzenähnlichen Hauskatzen.

Mit dem deterministischen Luchs-Fotofallen-Monitoring wird der Schweizer Jura gut abgedeckt. Dabei werden auch viele „Wildkatzen“ fotografiert.

Ziel(e)

Das Ziel dieses Pilotprojektes war die Entwicklung eines Wildkatzen-Monitorings mittels Fotofallen synergetisch zum Luchs-Monitoring zur Bestimmung der Abundanz der Wildkatzenpopulation im Jura.

Methoden

Eine Master-Arbeit von 2010 hat gezeigt, dass selbst Wildkatzen-Experten die Tiere anhand von Fotos nicht mit Sicherheit unterscheiden können. Mit Hilfe der in der Pilotstudie gewonnenen Resultate wurde ein phänotypischer Kriterienkatalog für die Wildkatze im Schweizer Jura erstellt.

Während des Luchs-Monitorings im Jura (je 60 Nächte/Winter, 50–60 Stationen mit je 2 Fotofallen auf einer Fläche von etwa 600–700 km²) wurden auf einer Teilfläche des Referenzgebietes Fotofallen-Standorte in höherer Dichte auf Wildkatzen ausgerichtet. Jeder dieser Wildkatzen-Standorte wurde zusätzlich zu zwei Weissblitzfotofallen mit einem „Lockstock“ ausgestattet. Diese Lockstöcke (raue Holzpfosten) wurden mit Baldriantinktur besprüht, um Wildkatzen anzulocken. Wildkatzen reiben sich an den Holzpfosten und hinterlassen Haarproben. Diese können dann für spätere genetische Analysen verwendet werden. Die Wildkatzen, die auf Grund des Phänotyps auf den Fotofallen-Bildern identifiziert wurden, geben Informationen über die Verbreitung der Art so wie über Interaktionen mit Hauskatzen im Studiengebiet. Für mehrfach fotografierte Wildkatzen, die individuell erkennbar waren, konnten ihre winterlichen Streifgebiete, beziehungsweise Abundanz und Dichte der Wildkatzenpopulation mittels Fang-Wiederfang-Methodik geschätzt werden.

Studiengebiet

Resultate und Publikationen

Im Rahmen dieses Projektes wurden

  • Optimaler Parameter (z. Bsp. Fläche und Anzahl Standorte) für ein Wildkatzen-Referenzgebiet innerhalb des Luchs-Referenzgebietes identifiziert;
  • Kriterien für die phänotypische Bestimmung von Wildkatzen aus dem Jura anhand von Fotofallen-Bildern erstellt;
  • Methoden und Kriterien zur individuellen Bestimmung von Wildkatzen etabliert und
  • die Wildkatzenabundanz und Dichte berechnet.

Die Resultate wurden in folgendem Bericht publiziert:

Projekt Information

Das Pilotprojekt für das Wildkatzen-Monitoring wurde parallel zum jeweiligen deterministischen Luchs-Monitoring im Jura in Absprache mit den beteiligten Kantonen und den lokalen Wildhütern durchgeführt. Finanziert wurde das Projekt von einer privaten Stiftung, die Naturschutzthemen unterstützt.

Projektdauer: 2015-2018

Untersuchungsgebiet: Jura, Schweiz

Kontakt KORA: Fridolin Zimmermann, Florin Kunz, Lea Maronde

DIE RÜCKKEHR DER EUROPÄISCHEN WILDKATZE (FELIS SILVESTRIS)

Die Europäische Wildkatze galt in der Schweiz als praktisch ausgestorben, aber in den vergangenen drei Jahrzehnten eroberte sich die heimische Katzenart ihren ursprünglichen Lebensraum im Jura zurück und scheint mittlerweile sogar darüber hinaus Lebensraum zu finden. Trotz des aktuell offensichtlich positiven Trends, ist jedoch ziemlich wenig über den Populationsstatus der Wildkatze bekannt. Dies ist nicht nur ein schweizerisches Phänomen: generell gibt es wenig verlässliche Informationen über den Erhaltungszustand der Populationen der Europäischen Wildkatze. Ein Grund dafür ist, dass die Überwachung von heimlich lebenden und nachtaktiven Tieren, die in niedrigen Dichten vorkommen, eine grosse Herausforderung ist. Ein robustes, langfristiges Monitoring ist unumgänglich, um den Zustand einer Population zu beurteilen, etwaige negative Änderungen rechtzeitig zu entdecken und allenfalls mit Massnahmen darauf reagieren zu können.

Wir fassen hier die wichtigsten Erkenntnisse des Projekts „Die Rückkehr der Europäischen Wildkatze (Felis silvestris) – Förderung der Wiederbesiedlung und Überwachung der Populationsentwicklung in der Schweiz“ zusammen, das vom 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2020 dauerte.

Monitoring

In der Fachliteratur und unter Experten gehen die Meinungen auseinander, ob eine allein auf dem Phänotyp (Erscheinungsbild) basierende Unterscheidung von Hauskatzen und Wildkatzen überhaupt möglich ist. Wir haben im Rahmen der Pilotstudie Monitoring daher zunächst einen Kriterienkatalog erstellt und alle Katzenbilder anhand dieses Katalogs beurteilt. Auf den Fotofallenbildern aus unserem Monitoring mit Weissblitz-Fotofallen ist es uns gelungen, Wildkatzen auf Fotofallenbildern als solche zu erkennen und mit grosser Sicherheit von Hauskatzen zu unterscheiden. Unsere Einschätzungen haben wir mittels parallel zu den entstandenen Fotos gesammelter Haarproben genetisch überprüfen lassen. Die Übereinstimmung lag bei nahezu 100 Prozent. Zudem ist es uns sogar gelungen, die verschiedenen Individuen anhand ihrer unterschiedlichen Fellmuster zu unterscheiden, was erlaubt, die Populationsdichte mittels Fang-Wiederfang-Methoden zu berechnen. Diese Methode liefert besonders genaue Schätzungen. Damit haben wir methodisch die Grundlagen für ein langfristiges Monitoring der Wildkatzen in der Schweiz geschaffen.

Verbreitung und Ausbreitung

Um die potenzielle Verbreitung der Wildkatze in der Schweiz zu beurteilen und ihre ökologischen Ansprüche besser zu verstehen, wurde im Rahmen einer Masterarbeit ein Habitat-Modell für die Wildkatze erstellt. Dies ist das erste Habitat-Modell für die Wildkatze, das mit Daten aus der Schweiz erstellt wurde. Das Modell hat gezeigt, dass auch im Mittelland und in den Voralpen geeigneter Lebensraum für die Wildkatze vorhanden ist, und zwar auf grösserer Fläche als vermutet. Wir haben daraufhin in Gebieten mit geeignetem Lebensraum im Mittelland zwei Fotofallen-Erhebungen durchgeführt. Die Untersuchungsgebiete befinden sich im Bucheggberg (Solothurn/Bern) und zwischen Yverdon und Epalinges (Waadt). Im Bucheggberg hatte es vor dieser Erhebung nur anekdotisch Hinweise auf Wildkatzen gegeben, im Waadtländer Gebiet gab es wenige Nachweise von Wildkatzen. In beiden Erhebungen haben wir ein engmaschiges Fotofallennetz gewählt, um die Erfassungswahrscheinlichkeit zu optimieren. In beiden Gebieten konnte die Präsenz von Wildkatzen bestätigt werden, und zwar jeweils von mehreren Individuen. Der Einsatz von Fotofallen hat sich somit ein weiteres Mal bewährt und es hat sich gezeigt, dass Fotofallen auch für eine Ersterhebung in Gebieten, die gerade erst besiedelt werden, sehr gut geeignet sind.

Telemetrie im Seeland

Eine Wildkatze mit einem Senderhalsband geht im Wald vor einem Lockstock durch.
Wildkatze AMIRA im Fanel mit GPS-UHF Halsband. © KORA

Mit sendermarkierten Wildkatzen im Seeland konnten wir aufzeigen, wie Wildkatzen die Agrarlandschaft und die Schilfgürtel des Neuenburger Sees nutzen. Über die Nutzung der offenen Landschaft durch Wildkatzen war bisher noch wenig bekannt. Für diesen Teil des Projekts haben wir im Seeland am Ufer des Neuenburger Sees innerhalb von zwei Jahren (2018/2019) insgesamt 10 Wildkatzen mit GPS-UHF-Halsbändern markiert, um ihre Bewegungen in diesem eher aussergewöhnlichen Lebensraum genau verfolgen zu können. Wir haben in den Streifgebieten der mit Halsbandsendern markierten Wildkatzen detaillierte Feldkartierungen vorgenommen. Die Analysen haben gezeigt, dass Wildkatzen dort neben dem Uferwald auch den Schilfgürtel des Neuenburger Sees und die Agrarlandschaft des Seelands nutzen und sich dort sogar reproduzieren. Weitere Analysen sollen nun zeigen, ob das Agrarland den Wildkatzen vorrangig als «Sekundär- oder Ausweichhabitat» dient, oder ob manche Wildkatzen diesen Lebensraum bevorzugt nutzen und welche Kulturen und Strukturen von Wildkatzen besonders gerne aufgesucht werden. Dies ist in Bezug auf die weitere Ausbreitung der Art eine wichtige Frage, da es ein ganz neues Bild auf die Lebensraumansprüche der Wildkatze wirft.

Wildkatzen und Hauskatzen

Ein weiterer Schwerpunkt dieses Projekts ist die Koexistenz von Wildkatzen und Hauskatzen in der dicht besiedelten Kulturlandschaft zu untersuchen. Die Hauskatze ist in dieser Landschaft weit häufiger als die Wildkatze. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich Haus- und Wildkatzen im Seeland räumlich und vor allem auch zeitlich weitestgehend ausweichen. Dies konnten wir im Rahmen einer weiteren Masterarbeit aufzeigen, in der wir elf Hauskatzen mit GPS-Trackern ausgerüstet haben. Diese Beobachtungen sind bedeutend zum Verständnis der Hybridisierung. Über die ethologischen Hintergründe von Hybridisierung zwischen Wildkatzen und Hauskatzen – vor allem wie und wann es überhaupt dazu kommt, dass sich eine Wildkatze und eine Hauskatze miteinander paaren – ist generell wenig bekannt. Allem Anschein nach passiert dies nicht beliebig, sonst wären die Populationen längst komplett miteinander vermischt. Untersuchungen in anderen Gebieten, wo gerade einwandernde Wildkatzen auf «verwilderte» Hauskatzen treffen, sollen nun zeigen, ob sich die vorläufige Folgerung, dass die Wildkatzen Hauskatzen verdrängen, bestätigen lassen.

Öffentlichkeitsarbeit

Eine Wildkatze geht über ein Stück Schnee. Im Hintergrund leuchten die Lichter einer Siedlung.
Fotofallenbild einer Wildkatze, Jura 2018. © KORA

Obwohl die Europäische Wildkatze eine geschützte Tierart ist, und dieser Status auch durch die relevanten internationalen Übereinkommen betont wird, fand die Art bisher wenig Beachtung in der Öffentlichkeit oder bei den zuständigen nationalen Behörden. Auch die internationale Vernetzung spielte eine wichtige Rolle in diesem Projekt. Aus der Diskussion mit Kollegen aus ganz Europa hat sich ein Bedarf für eine engere und besser koordinierte Zusammenarbeit für die Erhaltung der Europäischen Wildkatze gezeigt. Obwohl für viele Länder keine zuverlässigen Daten vorliegen, ist es offensichtlich, dass das Spektrum von «rasch zunehmend» bis «stark abnehmend» reicht.

Mit dem Projekt konnten wir Wesentliches dazu beitragen, die Entwicklung der Wildkatze in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten besser zu dokumentieren und zu verstehen. Daraus haben sich eine Reihe von konkreten Folgefragen ergeben, denen wir 2021 im Anschlussprojekt «Erhaltung der Wildkatze (Felis silvestris) in der Schweiz und in Europa» nachgehen.

Projekt Information

Finanziert wurde das Projekt von einer privaten Stiftung, die Naturschutzthemen unterstützt, der Temperatio-Stiftung sowie dem Lotteriefonds des Kantons Solothurn.

Projektpartner

Mit folgenden Partnern oder Institutionen haben wir zusammengearbeitet:

  • Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin, ITP Universität Bern (PD Dr. Marie-Pierre Ryser-Degiorgis und Team)
  • Kantonale Behörden und Wildhüter
  • Tierpraxis im Moos/Ins (Dr. Anna Geissbühler und Team)
  • Stefan Suter (ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften)
  • Senckenberg Forschungsinstitut, Abteilung Naturschutzgenetik (Dr. Carsten Nowak und Team)

Untersuchungsgebiet: Schweizer Jura und von der Wildkatze neu besiedelte Gebiete in der Schweiz

Kontakt KORA: Lea Maronde

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