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Fang & Telemetrie

Ein Luchs mit einem Halsband geht auf einem Waldweg und wurde dabei von einer Fotofalle fotografiert.
Ein Luchs mit einem GPS Halsband, aufgenommen mit einer Fotofalle im Jura, 2017. © KORA

Seit 1983 werden in der Schweiz Luchse mit Hilfe der Telemetrie beobachtet. Unter Telemetrie versteht man die drahtlose Übertragung von Funksignalen von einem Sender zu einem Empfänger. Um Grossraubtieren mit Hilfe der Telemetrie zu überwachen, werden Halsbänder mit eingebautem Sender verwendet. Dementsprechend muss das Tier gefangen und narkotisiert werden, damit ihm das Halsband angelegt werden kann. Die Halsbänder sind an das Körpergewicht und -grösse des gefangenen Tieres angepasst. Das Halsband fällt nach Erreichen der Batterie-Lebensdauer dank einer Sollbruchstelle ab. Der Sender am Halsband erlaubt die Überwachung des Standortes des Individuums. Neben der Erfassung des Standortes besitzen die modernen Modelle häufig auch Sensoren zur Erfassung weiterer Parameter (z. B. Temperatur, Aktivität usw.). Mit Hilfe solcher Daten können verschiedene Fragestellungen untersucht werden wie zum Beispiel zur Nahrungsökologie, Lebensraumnutzung oder zur Demographie.

Seit 2005 setzt KORA auch GPS Systeme ein. Diese haben den Vorteil, dass Positionen automatisch aufgenommen werden. Die GPS-Einheit im Halsband speichert zu vorprogrammierten Zeiten ihren genauen Standort, welchen sie mit Hilfe von Satelliten bestimmt. Die Koordinaten der Standorte werden dann über das GSM Mobilfunknetz oder über einen Iridium Satelliten zu einer Bodenstation geschickt, wo KORA die Daten direkt auf dem Computer weiterverarbeitet. 

Die Halsbänder beinhalten auch eine VHF (Very high frequency) Einheit. Diese erlaubt das Tier von Hand zu peilen, falls das GSM System aussteigt. Die unhörbaren VHF Signale des Halsbandes werden über eine Antenne von einem Empfänger aufgenommen. Mit einer Richtantenne kann festgestellt werden, woher das Signal kommt. Der eigene Standort und die Richtung des Signals werden auf einer Karte eingetragen. Wird dieser Vorgang von verschiedenen Standorten wiederholt (Kreuzpeilung), so schneiden sich die Linien am Aufenthaltsort des Senderhalsbandes. Im Gebirge erschweren Reflexionen des Signals an Felswänden, Beugungen und Bewegung der Tiere das Peilen und erfordern grosse Erfahrung im Umgang mit Technik, Karten und Gelände.

Fänge

Für den Fang von wildlebenden Raubtieren werden unterschiedliche Methoden angewandt. Für den Fang von Luchsen werden drei verschiedene Fallsysteme eingesetzt:

Kastenfallen

Eine Kastenfalle, gelb, schwarz angemalt, steht auf einem Weg im Schnee. Der Durchgang neben der Kastenfalle wurde mit Ästen und Netzen versperrt.
Eine Kastenfalle aufgestellt für den Fang von Luchsen. © KORA

KORA setzt Kastenfallen zum Fangen von Luchsen und Wildkatzen ein. Die Kastenfallen bestehen aus Massivholz und sind innen glattwandig, so dass die Wände keine Angriffsstelle für Krallen und Zähne bieten. Im geschlossenen Zustand sind die Fallen weitgehend dunkel und die Tiere sind gut vor Kälte und schlechter Witterung geschützt. Die Falltüren werden über einen quer durch die Falle gespannten Stolperfaden oder eine Wippe ausgelöst, sobald ein Tier darüber stolpert oder auf die Wippe tritt. Die Falltüren werden rund um die Uhr mit einem Alarm überwacht, um das Tier so rasch wie möglich behändigen zu können

Kastenfallen werden im Winter auf Forststrassen oder Wildwechseln eingesetzt, da sich Luchse  bei hoher Schneedecke eher auf den von uns Menschen verwendeten und gepfadeten Wegen Die erfolgreichste Fangsaison liegt zwischen Februar und April, weil sich Luchse unmittelbar vor und während der Paarungszeit mehr bewegen. Der Durchgang neben der Falle wird beidseitig durch das Anbringen von Ästen oder Tarnnetzen erschwert, sodass der einfachste Weg durch die Falle führt. Die Kastenfallen für die Wildkatzen werden nicht zwingend auf Wechseln oder Forststrassen aufgestellt. Ausserdem werden sie mit Baldrian beködert. Die Fallen werden immer nach Absprache mit dem zuständigen Kantoninstalliert. Warnschilder weisen Passanten auf die Falle hin. Beim Fang eines Luchses oder Wildkatze, wird das Tier so rasch wie möglich narkotisiert, untersucht, das Senderhalsband angelegt und es wird wieder freigelassen.

Schlingenfallen

KORA setzt Fuss-Schlingenfallen für den Fang von Luchsen ein. Fuss-Schlingenfallen sind effiziente und sichere Fanggeräte. Schlingenfallen werden vorwiegend an einem vom Luchs gerissenen Beutetier eingesetzt. Jede Falle besteht aus einem runden Trittbrett, zwei Bügeln, einer Schlinge und einem Fallenrohr. Das Trittbrett und die Bügel dienen als Wurfapparat für die Schlinge. Sobald der Luchs das Trittbrett berührt, wird die Schlinge über seine Pfote geworfen und er wird von der Schlinge und dem Fallenrohr, welches im Boden verankert ist, festgehalten. Das Fallenrohr ist mit einer Drahtfeder versehen, die ruckartige Bewegungen des gefangenen Luchses abschwächt. Die Fallen werden kontinuierlich mit einem VHF-Sender überwacht, dieser löst sofort einen Alarm aus, wenn die Falle ausgelöst wird. Das Fang-Team wartet dabei vor Ort. Sobald der Luchs in der Falle ist, wird er narkotisierte, untersucht, das Senderhalsband angelegt und der Luchs wieder freigelassen. Schlingenfallen Sets, wie sie KORA einsetzt, können bei KORA bestellt werden.

Minimally Invasive Capture System MICS

Der MICS wird an einem Baum im Wald installiert.
Das Minimally Invasive Capture System MICS wird für einen Luchsfang installiert. Das MICS ist ein ferngesteuertes Narkosegewehr. © Laurent Geslin

Das MICS setzt KORA für den Fang von Luchsen ein. MICS ist ein ferngesteuertes Narkosegewehr. Das Blasrohr des MICS kann aus einer Distanz von bis zu 800 m über einen Bildschirm ferngesteuert werden. Das MICS wird an einem gerissenen Beutetier eingesetzt. Mit Hilfe einer eingebauten Kamera am Schiessapparat und einem Bildschirm an der Steuerung sind präzise Schüsse mit Betäubungspfeilen bis zu einer Distanz von 25 m möglich. Im Schiessapparat sind neben dem Lauf eine Infrarotkamera und ein Infrarotschweinwerfer eingebaut. Der Bewegungsmelder alarmiert das Fangteam vor Ort, wenn sich ein Tier dem Riss nähert. Die Narkosepfeile sind mit einem VHF-Sender versehen, sodass das Tier nach dem Beschuss gefunden werden kann. Der Vorteil des MICS ist die stressarme Behändigung des Tiers. Da bei einem Fang mit dem MICS das Tier aber physisch nicht zurückgehalten wird, sondern sich etwas entfernen kann, setzt KORA das Gerät nicht ein, wenn sich in der näheren Umgebung gefährliche Geländestrukturen wie vielbefahrene Strassen, Wasserläufe oder steile Felspartien befinden. Das MICS kann bei KORA bestellt werden.

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