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Abgeschlossene Projekte

Luchs-Gems Projekt 2015-2018

Einfluss von Luchsprädation und Jagd auf die Gemse

Eine Gemse steht im Wald und schaut direkt in die Fotokamera
Eine Gemse tappt in eine für den Luchs aufgestellte Fotofalle. © KORA

Neben dem Reh ist die Gemse das wichtigste Beutetier für den Luchs in der Schweiz. Im Rahmen des Nordwestalpen III Projekts stellten wir fest, dass sich die Luchsprädation dabei insbesondere auf Gemskitze im Frühling und Sommer konzentriert. In Teilen der Schweiz und des angrenzenden Auslands scheinen die Gemsbestände in den letzten Jahren stark rückläufig gewesen zu sein. Die genauen Ursachen für die beobachteten Rückgänge sind jedoch weitgehend unbekannt. Als mögliche Faktoren werden z. B. ungünstige Klimabedingungen, Störungen durch Freizeitaktivitäten, ein zu hoher Jagddruck, Prädation durch den Luchs oder Konkurrenz mit anderen Arten (z.B. Rothirsch) genannt. In Regionen, wo der Luchs präsent ist und die Gemse gleichzeitig bejagt wird, stellt sich die Frage, welchen Einfluss beide Faktoren auf die Bestandsentwicklung der Gemsen haben.

Ziel(e)

Unser Projekt hatte zum Ziel, den Einfluss von Luchs und Jagd auf die Gemse näher zu untersuchen und im Verhältnis zu anderen Faktoren (z.B. Wintersterblichkeit) zu beurteilen. Als Fallbeispiel diente der Kanton Bern, die Resultate sollten aber auch für andere Regionen relevant sein.

Methoden

Ein Luchs mit einem Senderhalsband frisst an einem Gemsriss
Luchs SELO frisst an einer gerissenen Gemse. © KORA

Zur Beantwortung unserer Fragestellung wählten wir drei verschiedene Ansätze:

1) Im Rahmen einer Feldstudie wurden zwischen 2016 und 2018 Luchse in verschiedenen Gebieten des Berner Oberlands sendermarkiert um möglichst alle von ihnen gerissenen Beutetiere zu finden. Gleichzeitig wurden in denselben Gebieten verschiedene Gemsrudel mehrmals pro Jahr beobachtet um den jährlichen Zuwachs zu messen. Ausserdem wurden Daten zu anderen Todesursachen der Gemsen (z.B. Krankheit, Winter) und zu menschbedingten Faktoren (z.B. Jagd, Störung) gesammelt.

2) Bereits vorhandene Daten aus Jagdstatistik und Luchs-Monitoring wurden zusammengetragen. Basierend auf diesen Daten wurden Gemsbestände verschiedener Wildräume des Kantons Bern rekonstruiert und mit anderen Regionen (z.B. Kantone ohne Luchspräsenz) verglichen. Der langfristige Einfluss von Luchs, Jagd und anderen Faktoren (z.B. Klima) auf die Populationsentwicklung der Gemsen soll so retrospektiv abgeschätzt werden.

3) Mithilfe theoretischer Populationsmodelle konnten Management-Szenarien unter verschiedenen Zielsetzungen und Annahmen durchgespielt werden. Die Modelle sollten als Entscheidungsgrundlage dienen, um das jagdliche Management in Gebieten mit Luchspräsenz falls nötig zu optimieren.

Resultate und Publikationen

Die Resultate des Projektes wurden im folgenden Bericht publiziert:

Projekt Information

Das Luchs-Gems Projekt wurde parallel zum Luchs-Genetik Projekt in Absprache mit den beteiligten Kantonen und den lokalen Wildhütern durchgeführt. Der Luchs-Teil des Projekts wurde von KORA geleitet und von einer privaten Stiftung finanziert. Der Gems-Teil wurde von Dr. Christian Willisch geleitet und durch das Jagdinspektorat des Kantons Bern, die Stotzer-Kästli-Stiftung und die Zigerli-Hegi-Stiftung unterstützt.

Projekt Dauer: 2015-2018

Untersuchungsgebiet: Nordwestalpen

Projekt Partner:

  • Dr. Christian Willisch, FIWI, Universität Bern
  • Jagdinspektorat/Wildhüter Kanton Bern
  • Universität Basel

Kontakt KORA: Dr. Kristina Vogt

Luchsforschung 1983-2015

Lage der Untersuchungsgebiete der verschiedenen Projektphasen der Luchsforschung in der Schweiz bis 2015 (Abbildung aus Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten 2008).

Der grösste Teil der Forschungsarbeit war zu Beginn von KORA dem Luchs gewidmet, der seit 1971 in den Alpen und 1974 im Jura wieder angesiedelt wurde. Die Forschung und Überwachung der sich entwickelnden Populationen begann mit der Sendermarkierung der ersten beiden Luchse im März 1983 im Berner Oberland. Die Radiotelemetrie eröffnete neue Dimensionen der Wildtierforschung, speziell bei so heimlichen und seltenen Arten wie dem Luchs.

Von 1983 bis 2015 haben wir Luchse in verschiedenen Teilen der Schweiz und bei unterschiedlichen ökologischen Bedingungen beobachtet. Wir haben über hundert Luchse während eines Teils ihres Lebens mittels Radiotelemetrie begleitet. Bis 2015 lässt sich die Luchsforschung in der Schweiz in sechs Projekte mit unterschiedlichen Fragestellungen aufteilen:

1) 1983-88 Nordwestalpen I
2) 1985-88 Wallis
3) 1988-98 Jura
4) 1997-2001 Nordwestalpen II
5) 2001-2009 Nordostschweiz LUNO
6) 2012-2015 Nordwestalpen III

Zentralschweiz und Nordwestalpen I 1983-1988

Die erste grössere Telemetriestudie am Eurasischen Luchs lieferte erste Ergebnisse zu Raum- und Sozialstruktur und Beutewahl von insgesamt 11 Luchsen. Die Luchs- und Beutetierpopulationen waren damals stabil und der Einfluss des Luchses auf seine Beutetiere gering.

Wallis 1985-1988

Im Wallis waren 1985-1988 sechs Luchse an der Ausbreitungsfront der Luchspopulation mit Sendern ausgerüstet. Die Behörden beklagten einen starken Rückgang von Reh und Gemse. Haller (1992: Zur Ökologie des Luchses Lynx lynx im Verlauf seiner Wiederansiedlung in den Walliser Alpen) dokumentierte im Jagdbanngebiet Turtmanntal eine intensive Bejagung der beiden Arten durch den Luchs. Das Reh war sogar zeitweilig verschwunden. Dies stand in einem starken Kontrast zu den bisherigen Resultaten aus den Nordwestalpen.

Vergleich der Verteilung der durch die Luchse erbeuteten Rehe und Gemsen im etablierten Luchsgebiet in den Nordwestalpen (oben) und an der Ausbreitungsfront im Wallis (unten) (Abbildung aus Breitenmoser & Breitenmoser-Würsten 2008).

Jura 1988-1998

Die Untersuchungen an der wiederangesiedelten Population im Jura starteten 14 Jahre nach den Freilassungen und dauerten bis 1998. Diese erste langfristige Studie an 29 Luchsen erlaubte uns Daten zur Stabilität der Raum- und Sozialstruktur, zur Demographie und zur Abwanderung von Jungtieren zu sammeln. Der grosse Datensatz ermöglichte auch die Berechnung erster Habitatmodelle. Die Untersuchungen zur Nahrungswahl zeigten saisonale Präferenzen für unterschiedliche Beutekategorien, der Einfluss auf die Beutetiere blieb jedoch über die Jahre konstant.

Nordwestalpen II 1997-2001

Ab Mitte der 1990er Jahre nahmen die Übergriffe auf Haustiere durch Luchse und Beobachtungen von Luchsen stark zu. Während der Untersuchungsjahren konnten wir 44 Luchse fangen und mit Sender ausrüsten. Wir fanden eine deutlich höhere Dichte als in den 1980er Jahren. Der Einfluss auf die Beutetierpopulationen war grösser als bisher beobachtet. Die Rehpopulation war durch starke Bejagung und eine Reihe harter Winter stark unter Druck. Neben Raum- und Sozialstruktur, Dispersal und Demographie, standen die Untersuchungen rund um die Übergriffe auf die Nutztiere im Vordergrund. 1998 starteten wir mit dem Einsatz von Fotofallen für die Populationsschätzung mittels Fang-Wiederfang-Methode.

Nordostschweiz LUNO 2001-2009

Ein Luchs wird aus einer Transportkiste frei gelassen
Freilassung von WERO. © Andreas Ryser

Als Folge der angespannten Situation rund um den Luchs in den Nordwestalpen Ende der 1990er Jahre, entwickelte der Bund ein neues Managementkonzept für den Umgang mit dem Luchs, das die Entfernung von schadenstiftenden Tieren erlaubte, und die Reduktion hoher Luchsdichten mittels Umsiedlung oder Abschuss vorsah. Nach einer positiven Stellungnahme der Kantonsregierung stimmte das St. Galler Parlament im November 2000 dem Postulat Trionfini zur Wiederansiedelung des Luchses im Kanton St. Gallen zu. Darauf starteten der Bund (BUWAL, heute BAFU) und die fünf Kantone Zürich, St. Gallen, Thurgau, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden das Projekt Luchsumsiedlung Nordostschweiz LUNO. Die Luchse kamen aus den Nordwestalpen und dem Jura. KORA und das FIWI übernahmen die Luchsfänge, die Umsiedlungen und die Beobachtung der Luchse nach ihrer Freilassung in der Nordostschweiz. Die Begleitung der freigelassenen Tiere mittels Radiotelemetrie erlaubte die Untersuchung der Etablierung einer räumlichen Struktur und von Beutewahl und Jagdverhalten. Die Überwachung der Luchspopulation in der Nordostschweiz wurde 2009 in das gesamtschweizerische Luchsmonitoring überführt. Alle drei bis vier Jahre führen wir eine systematische Erhebung zur Schätzung der Luchspopulation mittels Fotofallen durch.

Methoden

Fänge und Freilassungen

Zwischen 2001 und 2008 wurden 7 Luchse aus den Nordwestalpen und 5 aus dem Jura in die Nordostschweiz umgesiedelt. Alle Tiere wurden nach dem Fang in eine Quarantänestation gebracht. Mitarbeiter des Zentrums für Fisch- und Wildtiermedizin betreuten die Luchse während der Quarantäne. Vor der Freilassung wurden sie noch einmal veterinärmedizinisch untersucht und mit einem Senderhalsband versehen.

Resultate und Publikationen

Lage der Luchs Wohngebiete in der Nordostschweiz wenige Monate nach den Freilassungen. Rot Weibchen, Blau Männchen. © KORA

Wohngebiete und Wanderungen

Die umgesiedelten Tiere fanden sich innerhalb weniger Monate zu einer Gruppe von Nachbarn zusammen, wie es dem Raummuster einer Luchspopulation entspricht. Ein Weibchen querte die Lindtebene südwestwärts und liess sich in den Kantonen Glarus und Schwyz nieder, ein Männchen schloss sich erst nach über einem Jahr Wanderschaft der Luchspopulation in der Nordostschweiz an. Dabei drang es bis in die Stadt Zürich vor und hielt sich während vier Monaten auf dem Zürichberg auf. Die durchschnittliche Reviergrösse der Weibchen betrug 100 km², diejenigen der Männchen 172 km².

Beutetiere

Während der Überwachungsphase der Luchse, konnten wir mit Hilfe der Radiotelemetrie 206 Beutetiere dokumentieren: 150 Rehe (73 %) und 45 Gemsen (22 %). Gelegentlich erbeutete Tierarten waren Fuchs (4), Feldhase (5) und Murmeltier (2). Zufällig von Dritten gefundene und durch uns oder die Wildhut bestätigte Luchsrisse betrafen 127 Rehe, 17 Gemsen, je einen Feldhasen und Fuchs, sowie ein Murmeltier und zwei Hausziegen. Elf Kaninchen und 2 Meerschweinchen gingen auf das Konto von zwei verwaisten Jungluchsen, welche sich vor dem Hungertod durch das Reissen von leichter Beute in Menschennähe retten wollten. Mindestens eines dieser Jungen überlebte den Winter, wurde aber im folgenden Frühjahr überfahren.

Reproduktion

Eine Luchsin sitzt im Wald mit ihren beiden Jungtieren.
NURA mit ihren beiden Jungen ob Amden SG 2005. © Andreas Ryser

Zwischen der ersten Reproduktion im Umsiedlungsgebiet 2002 und dem Ende der systematischen Fotofallenüberwachung im Winter 2011/2012 beobachteten wir 16 Würfe mit mindestens 31 Jungen. Von diesen Jungtieren lebten Ende April 2012 noch 11 Tiere. Von 20 in der Nordostschweiz geborenen Luchsen fehlen uns Hinweise. Mindestens ein subadulter Luchs verliess auf der Abwanderung das Kompartiment und liess sich 200 km weiter südlich im italienischen Parco Naturale Adamello Brenta nieder. Ein anderer Jungluchs wurde 2008 bei Landquart im Kanton Graubünden überfahren. Drei in der Nordostschweiz geborene Weibchen und zwei Männchen haben sich bereits wieder fortgepflanzt. Von den 12 aus den Nordwestalpen und dem Jura umgesiedelten Luchsen hatten mit Sicherheit vier Weibchen (von drei Männchen) Junge. Ein subadultes Luchsmännchen wanderte 2011/2012 aus dem Jura über den Kanton Thurgau entlang des westlichen Ufers des Bodensees in das Rheintal und damit in die Nordostschweiz.

Schicksal der umgesiedelten Luchse

Von den 12 umgesiedelten Luchsen kennen wir von vier Tieren das Schicksal. Anfangs 2012 lebte mit Sicherheit ALMA und möglicherweise auch NOIA noch in der Nordostschweiz. VINO starb 2003, AYLA wurde 2004 überfahren und WERO wurde 2010 tot gefunden. Die anderen sieben Luchse sind verschollen ohne Hinweis auf ihren Verbleib. AURA, BAYA, ROCO und ODIN liessen sich nach dem Ausfall der Sender nie mehr nachweisen, während TURO, NURA und AIKA auch nach dem Verlust des Senders noch drei, vier und sechs Jahre mit Fotofallen fotografiert wurden.

Beurteilung der Umsiedlung

Ein junger Luchs geht durch den Wald.
Jungluchs fotografiert im Februar 2012. Es handelt sich um ein „Grosskind“ des aus dem Jura umgesiedelten Weibchens ALMA. © KORA

Die Tatsache, dass wir während des Fotofallen-Monitoring 2012, 12 Jahre nach Projektbeginn, 10 selbstständige Luchse und vier Jungtiere von zwei Weibchen nachweisen konnten, stimmt optimistisch. Ein neuer Populationskern wurde gegründet. Die Population in der Nordostschweiz ist allerdings nach wie vor klein, und einzelne zufällige Ereignisse können starke Auswirkungen auf die Entwicklung der Population haben. Die längerfristigen Aussichten der Population in der Nordostschweiz hängen damit auch von den Entwicklungen in den benachbarten Regionen ab. Die Beobachtung eines jungen Luchsmännchens, welches aus dem bernischen Jura bis in die Nordostschweiz gewandert ist, sowie mindestens von zwei jungen Luchsen welche im Kanton Graubünden auftauchten, illustriert diese Abhängigkeit.

Das Projekt LUNO sollte deshalb vor einem grossräumigeren, internationalen Hintergrund betrachtet werden. In den letzten zehn Jahren konnte der Luchs im Alpenraum nur in der Nordostschweiz sein Gebiet nennenswert erweitern. Das LUNO Vorkommen kann einen Trittstein Richtung Ostalpen bilden, allerdings stehen Hinweise auf eine Abwanderung in diese Richtung noch aus.

Obwohl das Projekt LUNO als Wiederansiedlung ein bescheidenes Projekt mit nur wenigen Tieren war, gilt es als Management- und Artenschutzprojekt unter Berücksichtigung der Luchssituation in der Schweiz und in den Alpen als wertvoll. So dürften wiederholte kleine und kleinräumige Neuansiedlungen für die Zukunft des Luchses im Alpenraum entscheidend sein.

Mehr Informationen zu den Resultaten und Erkenntnissen finden Sie in den beiden Berichten:

  • Ryser A., von Wattenwyl K., Ryser-Degiorgis M.-P., Willisch Ch., Zimmermann F. & Breitenmoser U. 2004. Luchsumsiedlung Nordostschweiz 2001-2003. Schlussbericht Modul Luchs des Projektes LUNO. KORA Bericht Nr. 22, 59 pp.
  • Robin K. & Nigg H. 2005. Luchsumsiedlung Nordostschweiz LUNO. Bericht über die Periode 2001 bis 2003. Schriftenreihe Umwelt Nr. 377. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern; 53 S.

Nordwestalpen III 2012-2015

Grundlagen für die Erhaltung und das Management der Luchspopulation in den Nordwest-Alpen 

Benachbarte Luchse im Simmental 2011. © KORA

Die Luchspopulation in den Nordwestalpen hat sich nach den Wiederansiedlungen von Luchsen aus den slowakischen Karpaten in den Kantonen Obwalden und Waadt in den frühen 1970er Jahren entwickelt. Bis heute beheimaten das Berner Oberland und die angrenzenden Voralpen der Kantone Freiburg und Waadt das wichtigste Luchsvorkommen im gesamten Alpenbogen. Der gesetzlich geschützte Luchs ist aber nach wie vor Gegenstand einer Kontroverse mit der Jägerschaft um den Einfluss des Luchses auf Wildbestände. Diese Kontroverse behindert den Aufbau einer gesamtalpinen Population. Ausserdem haben Untersuchungen ergeben, dass die Luchspopulation in den Nordwestalpen weder gross noch genetisch divers genug ist, um langfristig überleben zu können. Die genetische Basis der vor 40 Jahren mit wenigen Tieren begründeten NW Alpen-Population ist schmal. Bei einer Zahl von damals ca. 50 residenten Tieren im Kompartiment VI Nordwestalpen wurde aufgrund des hohen Inzuchtkoeffizienten die effektive genetische Populationsgrösse nur auf 20 Tiere geschätzt. Bisher fehlen Hinweise auf eine tatsächliche Inzucht-Depression, aber die Datengrundlage seit der letzten Felduntersuchung 2001 ist schwach. Sobald sich zudem ein – aus biologischen Gründen erwünschter – Populationsanstieg abzeichnet, könnte der Konflikt namentlich mit den Jägern um die tolerierbare Zahl von Luchsen ausbrechen.

Daher wollte KORA zum dritten Mal (nach den Projektphasen1983–1986 und 1998–2001) den veterinärmedizinischen und genetischen Zustand der Luchspopulation in den Nordwestalpen untersuchen. KORA arbeitete dabei mit dem Rehprojekt der Universität Zürich zusammen, das im Untersuchungsgebiet Rehe sendermarkiert hatte, um den Einfluss des Luchses auf seine Beutetiere zu erforschen und in Kooperation mit einem Projekt der Universität Basel, welches die olfaktorische Kommunikation beim Eurasischen Luchs in den Nordwestalpen (SMEL) betrachtete, und zusätzliche Erkenntnisse über das Sozialverhalten des Luchses brachte.

Ziel(e)

Das Projekt hatte zum Ziel zur Erhaltung der Luchspopulation beizutragen, indem es mit neuesten Methoden folgende Aspekte beleuchtete:

  • Demographische, genetische und veterinärmedizinische Situation
  • Einfluss des Luchses auf die Rehpopulation
  • Zeitlich-räumliche Aufteilung des Lebensraums mittels Duftmarken
  • Verständigung verschiedener Interessenvertreter (z.B. Naturschützer, Jäger) untereinander.

Methoden

KORA benutzte einen interdisziplinären Ansatz und verwendete moderne Feld- und Labortechniken: Mittels GPS-GSM Telemetrie, Foto- und Videofallen ermittelte KORA die räumliche Verteilung der Luchse und ihr Verhalten.  Genetische Proben wurden gesammelt um sowohl die Abstammung und Verwandtschaft der Luchse zueinander zu eruieren als auch ihren allgemeinen Gesundheitszustand und den Inzuchtfaktor der Population zu bestimmen.

Resultate und Publikationen

Resultate des Projektes wurden unter anderem in folgenden Arbeiten publiziert:

Projekt Information

Projekt Dauer: 2012-2015

Untersuchungsgebiet: Nordwestalpen

Projekt Partner:

  • Rehprojekt im Simmental, Universität Zürich
  • Projekt SMEL der Universität Basel & KORA

Sponsoren:

  • Haldimann-Stiftung
  • Stotzer-Kästli Stiftung
  • Zürcher Tierschutz
  • Temperatio-Stiftung
  • Karl Mayer Stiftung
  • Stiftung Ormella

Kontakt KORA: Kristina Vogt

SMEL 2011-2015

Die olfaktorische Kommunikation bei Eurasischen Luchsen in den Schweizer Nordwestalpen

Ein Luchs steht vor einer Felswand und markiert diese mit seinem Urin.
Luchse unterhalten ihre Markierstellen regulär durch neue Markierungen. Fotofallen Bild, Berner Oberland, 2011. © KORA

Einzelgängerisch lebende Feliden durchstreifen grosse Reviere, in denen sie keine anderen erwachsenen Tiere des gleichen Geschlechts dulden (Reviere mit Sexualpartnern überlappen sich). Direkter Kontakt zwischen den einzelnen Individuen ist selten, abgesehen von Muttertieren mit ihren abhängigen Jungtieren. Das Hinterlassen von Duftmarken ist ein wichtiges Mittel, um mit Artgenossen zu kommunizieren. Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) ist ein geeignetes Modell für die Erforschung von sozialer und räumlicher Organisation von wilden Raubkatzen und ihrer olfaktorischen Kommunikation mittels Urin-Markierungen. Eine Luchspopulation besteht normalerweise aus residenten Männchen und Weibchen (Paare oder Nachbarn), subadulten Individuen ohne festes Revier, die in die Population eingewandert sind, sowie subadulten Nachkommen von residenten Luchsen. Dabei ist es für alle Luchse essentiell, Informationen zum sozialen Status, zum Geschlecht und zum physiologischen Zustand seiner Nachbarn zu erhalten und weiterzugeben. Jedoch wurde bis heute keine in situ Studie durchgeführt, welche die Bedeutung ebensolcher Duftmarkierungen betreffend Stabilität der sozialen und räumlichen Organisation der Arten untersucht.

Für den Erhalt und das Management einer Tierpopulation ist es wichtig, deren grundlegende Organisation zu verstehen. Populationen des Eurasischen Luchses weisen normalerweise eine geringe Dichte auf, doch Schwankungen im Beutetierbestand können sich auch auf den Luchsbestand auswirken, was unter Umständen Konflikte mit Menschen provoziert. Das Schweizer Parlament und die Regierung entschieden, dass Eingriffe in Grossraubtierpopulationen möglich sein sollen. Die Effekte von solchen Eingriffen in die sozioräumliche Struktur einer Luchspopulation sind jedoch unklar. Obwohl wir erhebliche Populationsschwankungen beobachtet haben, ist die räumliche Ausdehnung einer Population sehr begrenzt. Dies wurzelt vermutlich in einer vom Menschen verursachten Mortalität und einer (teilweise) von ihm geschaffenen Zersplitterung des für Luchse bewohnbaren Habitats, aber auch im natürlichen Verteilungs- und Besiedlungsmuster der Luchse. Für den Erhalt und das Management des Luchses ist es wichtig, seine soziale Organisation und die Bedeutung der Duftmarken zu verstehen.

Ziel(e)

Drei Rehe stehen um einen Holzstoss im Wald und riechen daran.
Drei Rehe inspizieren eine Luchs Markierstelle. Fotofallen Bild, Berner Oberland, 2011. © KORA

Ziel dieses Forschungsprojektes in Zusammenarbeit mit der Universität Basel  war es,  den Einfluss der Duftmarkierungen auf die räumliche Verteilung und das Paarungsverhalten des Eurasischen Luchses innerhalb einer gegebenen Population zu untersuchen. Ebenfalls untersuchten wir, wie potentielle Beutetiere auf die Duftmarkierungen von Luchsen reagierten. Zudem analysierten wir die chemische Zusammensetzung des Luchsurins und testeten in Zoos, wie Luchse auf Duftmarken reagierten.

Methoden

Wir benutzten einen interdisziplinären Ansatz und verwendeten moderne Feld- und Labortechniken: Mittels GPS-GSM Telemetrie und Fotofallen ermittelten wir die räumliche Verteilung der Luchse und ihr Verhalten, und zur Quantifizierung des Uringehalts aus gesammelten Proben benutzen wir Gaschromatographie/ Massenspektrometrie.

Resultate und Publikationen

Die Resultate dieser Studie wurden in den folgenden Publikationen veröffentlicht:

Nachtaufnahme von einem Luchs, der einen Holzstoss mit seinem Urin markiert.
Ein Luchs beim Markieren eines Holzstosses. © KORA

Projekt Information

Projekt Dauer: 2011-2015

Untersuchungsgebiet: Nordwestalpen

Projekt Partner:

  • Rehprojekt im Simmental, Universität Zürich
  • Universität Basel

Sponsoren:

  • Janggen-Pöhn-Stiftung
  • Basler Stiftung für Experimentelle Zoologie
  • Rockethub Crowdfunding Projekt
  • Basler Stiftung für biologische Forschung

Kontakt KORA: Kristina Vogt

Ausrüstungspartner:

TRANSA 

SCOPES 2010-2012

Status, ecology and land tenure system of the critically endangered Balkan lynx

Ein Luchs liegt im Wald versteckt hinter den Bäumen
Beobachtung von „Marko“. © MES/SCOPES, SNF

Das Forschungsprojekt „Status, ecology and land tenure system of the critically endangered Balkan lynx“ im Rahmen von SCOPES (Scientifc co-operation between Eastern Europe and Switzerland) war von 2010-2012 der wissenschaftliche Teil des Balkanluchs-Programms. 

Das Projekt war eine Kooperation von Wissenschaftlern der Universitäten Bern, Skopje (Nordmazedonien) und Tirana (Albanien). Es generierte die biologischen und ökologischen Kenntnisse als Grundlage für das Artenschutzprojekt mit drei konkreten Themen:

  • Raum- und Sozialsystem und Habitatpräferenzen des Balkanluchses
  • Nahrungsökologie des Balkanluchses und Empfehlungen für nachhaltiges Management der Beutetiere und
  • Ausbildung von Studenten in beiden Ländern in Wildtierökologie und wissenschaftlichem Monitoring.

Methoden

Eingesetzte Feldmethoden waren GPS-GSM-Telemetrie zur Beobachtung der Luchse und Fotofallen-Monitoring für Fang-Wiederfang-Schätzungen (Luchs) und „Occupancy“-Analysen (Beutetiere).

Ein narkotisierter Luchs liegt auf einer Decke am Boden und wird vom Forschungsteam untersucht.
Fang des Luchsmännchens «Marko» im Mavrovo Nationalpark, Nordmazedonien, zusammen mit lokalen Rangern.

Resultate und Publikationen

Im Gebiet des Mavrovo Nationalparks im westlichen Nordmazedonien wurden drei Luchse mit GPS-GSM-Systemen ausgerüstet. Mittels Telemetrie gefundene Beutetiere waren hauptsächliche Rehe, gefolgt von Gämsen und einigen Feldhasen. Ermittelte Wohngebietsgrössen waren 300–400 km², was auf eine sehr geringe Luchsdichte hindeutete. Das wurde auch durch zwei Fotofallen-Einsätze im gleichen Gebiet bestätigt, die eine Dichte von lediglich 0.82 ± 0.29 Luchsen pro 100 km² ergaben. In Albanien gelang erst im dritten Jahr dank Fotofallen der Nachweis von Luchsen in zwei Gebieten, dem Munella Gebirge und dem Shebenik-Jabllanica Nationalpark. Die Anwesenheit einer kleinen Population (4-5 Tiere) im Munella Gebirge konnte später im Rahmen des Balkan Lynx Recovery Programms bestätigt werden. Eine Schätzung des Beutetiervorkommens war aufgrund der ungenügenden Datenlage nicht möglich. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Reh- und Gämsdichten klein sind, weil ihre Populationen nicht nachhaltig gemanagt werden.

Das Projekt hat verdeutlicht, dass die Population des Balkanluchses sehr klein ist und nur mit konzentrierter Anstrengung aller Partner und Institutionen erhalten werden kann.

Weitere Informationen: Artikel „Rescuing the Balkan lynx“, Projects Magazine, January 2013, pages 62-64, Insight Publishers, sowie SNF P3 Forschungsdatenbank Projekt 127948

Vier Masterarbeiten sind im Rahmen des Projekts entstanden:

  • Trajçe A. 2010. Conservation planning for guilds or individual species? The relative perceptions of wolves, bears and lynx among the rural Albanian public. Master thesis, University of Oxford, UK, 86 pp.
  • Tesho L. 2011. Qëndrueshëmeria e gjuetisë dhe menaxhimi I kafshëve të egra në Shqipëri [Sustainable hunting and management of wildlife in Albania]. Master thesis, University of Elbasan, Albania, 52 pp.
  • Melovski D. 2012. Status and distribution of the Balkan Lynx (Lynx lynx martinoi MIRIC, 1978) and its prey. Master thesis, Faculty of Natural Sciences, University of Montenegro, 82 pp.
  • Ivanov G. 2014. Spatially explicit model for habitat suitability and potential distribution of the critically endangered Balkan lynx (Lynx lynx balcanicus Bures 1941). Master thesis, Institute of Biology, Faculty of Natural Sciences and Mathematics, Ss. Cyril and Methodius University, Skopje, Macedonia, 73 pp.

Projekt Information

Projekt Dauer: 2010-2012

Ort: Westliches Nordmazedonien und östliches und nördliches Albanien

Partner:

  • Institute für Veterinär-Virologie, Universität Bern, Schweiz
  • Fakultät der Naturwissenschaften und der Mathematik, Universität Skopje, Nordmazedonien
  • Macedonian Ecological Society (MES)
  • Fakultät der Biotechnologie und Ernährung, Landwirtschaftliche Universität Tirana, Albanien
  • Protection and Preservation of Natural Environment in Albania (PPNEA)
Panorama Bild des Mavrovo Nationalparks.
Im Mavrovo Nationalpark, Nordmazedonien © MES

Sponsoren: Schweizerischer Nationalfonds (SNF) zusammen mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) im Rahmen von SCOPES (Scientific co-operation between Eastern Europe and Switzerland)

Kontakt Universität Bern und KORA: Urs Breitenmoser, Manuela von Arx

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