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FVA Baden-Württemberg: Luchs Juro überwindet Hochrhein hin zur Schweiz

Erstmals konnte das Luchsmonitoring der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) mittels GPS-Daten verfolgen, wie ein Luchs vom Südschwarzwald in die Schweiz wandert. Luchs Juro zeigt, wie wichtig die Vernetzung von Wildtierlebensräumen ist.

Pressemitteilung der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg, 16.04.2026:

«Das Luchsmonitoring der FVA gibt uns einen spannenden Einblick in das Leben der Tiere hier im Land: Aber es zeigt auch, dass die Population aktive Unterstützung braucht, um sich wieder dauerhaft zu etablieren», sagt Forstminister Peter Hauk MdL anlässlich der Wanderung von Luchs Juro.

In den frühen Morgenstunden eines Märztags überquerte Luchs Juro den Rhein bei Laufenburg (Baden) und wanderte in der Schweiz bis in die Ausläufer des Juragebirges. Dort durchstreift er seither die Kantone Baselland, Aargau und Solothurn, kommt aber auch immer wieder in die Nähe des Rheins. «Dass Wildtiere ein Gewässer schwimmend queren, ist durchaus möglich, auch die Nutzung von Brücken ist denkbar», erklärt Eva Klebelsberg, Luchs-Expertin am FVA-Wildtierinstitut und Leiterin des Projekts «Luchs Baden-Württemberg». «Für uns ist das trotzdem eine kleine Sensation, weil wir diese Bewegung zum ersten Mal auch anhand der Daten, die ein Halsbandsender liefert, beobachten und analysieren können – ein großer Erfolg für die Luchsforschung».

Halsbandsender liefert seit Sommer 2025 Informationen
Ursprünglich ist Luchs Juro wahrscheinlich aus den Schweizer Luchs-Vorkommen nach Baden-Württemberg zugewandert, schätzen die Expertinnen und Experten der FVA. Seine genaue Herkunft ist bisher unklar. Das vermutlich 2024 geborene Tier ist Ende August erstmals in Baden-Württemberg bei Schopfheim nachgewiesen worden. Der Nachweis gelang anhand eines Risses, der der FVA im Rahmen des landesweiten Monitorings gemeldet wurde. Noch am selben Abend erfolgte die Besenderung durch die FVA mit veterinärmedizinischer Hilfe des Zoos Karlsruhe und Unterstützung des örtlichen Jagdpächters.

Auf der Suche nach einer Partnerin: Südschwarzwald zur Ranzzeit verlassen
Seit seiner Besenderung war Luchs Juro in einem Streifgebiet von 780 Quadratkilometern unterwegs. Dabei wanderte er regelmäßig zwischen Kandern und Wehr über das Belchengebiet und galt seit Ende Februar im Südschwarzwald als territorial, also als sesshaft.

Anfang Februar beginnt die Paarungszeit der Luchse, die sogenannte Ranzzeit. Die Satellitendaten zeigten dem Luchsmonitoring der FVA: Luchs Juro schlug ab diesem Zeitraum immer wieder den Weg in Richtung Schweizer Grenze ein, bis er sie schließlich vermutlich auf der Suche nach einer Partnerin, querte. Im Südschwarzwald sind derzeit mindestens zwei weitere Luchse bekannt: Der territoriale Luchskuder Wilhelm und B3015, dessen Geschlecht noch unbekannt ist.

Lebensraumvernetzung wichtig für gesunde Luchspopulation
Auf seinem Weg in die Schweiz querte Luchskuder Juro bei Binzen zweimal erfolgreich die A98 – hier ist im März vergangenen Jahres ein junger Luchskuder überfahren worden. In Bad Säckingen querte er die B34. Erstmals gelang es zu dokumentieren, welche Abschnitte ein Luchs für seine Wanderung in die Schweiz tatsächlich nutzt. Gerade dafür sind Daten, die Halsbandsender verschiedener Tierarten an das FVA-Wildtierinstitut schicken, besonders wichtig. Sie zeigen, welche Wildtierkorridore genutzt werden und in welchen weiteren Bereichen Korridore oder Grünbrücken notwendig sind.

Ob Luchskuder Juro in der Schweiz sowohl ein geeignetes Territorium als auch ein Luchsweibchen findet oder ob er nach der Ranzzeit in den Südschwarzwald zurückkehrt, ist noch offen. Die FVA steht in engem Austausch mit der Stiftung KORA, die das Schweizer Luchsmonitoring koordiniert, sowie mit den betreffenden Kantonen. Dr. Kristina Vogt, Koordinatorin des Europäischen Netzwerks Linking Lynx und Luchs-Expertin bei KORA, erklärt: «Die Luchsbestände im Schwarzwald sind Teil der Oberrheinischen Luchsmetapopulation. Ein regelmäßiger genetischer Austausch zwischen ihnen ist wichtig für die langfristige Erhaltung des Luchses in dieser Region».

«Das Hochrheintal zwischen Schwarzwald und dem Schweizer Jura ist eine Barriere, die wandernde Wildtiere einschränkt», sagt Eva Klebelsberg. Die Vernetzung von Lebensräumen sei hier durch verschiedene Landnutzungen sowie starken Bebauungsdruck zunehmend schwierig. «Es gibt nur noch wenige unverbaute Abschnitte des Rheins, die eine Querung in und aus der Schweiz ermöglichen. Aber auch sie verengen sich immer weiter durch Bauvorhaben». Ein Austausch zwischen den Schweizer und den Baden-Württembergischen Luchsvorkommen sei aber unerlässlich, um eine stabile Luchspopulation im Dreiländereck zu etablieren. «Juro liefert uns daher auch Anhaltspunkte dafür, welche Korridore unbedingt zu erhalten sind, um die Wanderungen der Luchse zu ermöglichen».

Projekt unterstützt Austausch zwischen Vorkommen
Bisherige Erkenntnisse aus dem Luchsmonitoring der FVA und der Wildtierforschung zeigen, dass einzelne Luchsmännchen in ihren jungen Jahren auch stark zerschnittene und besiedelte Barrieren wie das Hochrheintal überwinden. Weibchen dagegen breiten sich deutlich zurückhaltender aus, überqueren Barrieren seltener und lassen sich meist in der Nähe ihres Geburtsreviers nieder. «Das Land will den so wichtigen Austausch zwischen den Luchsvorkommen fördern und hat aus diesem Grund das Projekt 'Luchs Baden-Württemberg' ins Leben gerufen», so Minister Hauk.

Bis zu zehn möglichst weibliche Luchse sollen im Schwarzwald ausgewildert werden. Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) hat das Projekt beauftragt. Seit 2023 wird es durch die FVA in enger Zusammenarbeit mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg, dem WWF und dem Zoologischen Garten Karlsruhe umgesetzt. Die Luchs-Initiative und die alosa-Stiftung unterstützen das Projekt. Ein wichtiger Baustein im Projekt ist der Lebensraumverbund. Damit liegt auch ein Augenmerk auf der Sicherung der Wildtierkorridore.

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