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Portrait

© Laurent Geslin

Merkmale

Eurasischer Luchs (Lynx Lynx)

  • Aussehen: Hochbeinige Katze mit grauem bis rötlichem Fell, Unterseite heller. Hierzulande mit meist deutlichen schwarzen Flecken oder Rosetten, aber in anderen Regionen teilweise kaum gemustert. Rundlicher Kopf mit Ohrpinseln (4 cm) und Backenbart. Stummelschwanz (20–25 cm) mit schwarzer Spitze.
  • Grösse: Kopfrumpflänge 80–110 cm, Schulterhöhe 50–60 cm. Männchen grösser als Weibchen.
  • Gewicht: Adulte Männchen 20–26 kg, Weibchen 17–20 kg.
  • Lebenserwartung: bis zu 20 Jahren in freier Wildbahn

Status und Gefährdung

Gesetzlicher Status

Rote Liste gefährdeter Arten:

  • Global: nicht gefährdet (Least Concern)
  • Europa: nicht gefährdet (Least Concern).

Die grössten Gefahren für die Luchse in der Schweiz bilden illegale Tötungen, Kollisionen mit Fahrzeugen und die Fragmentierung des Lebensraums. Hinzu kommt die schleichende Gefahr der genetischen Verarmung, verbunden mit dem Risiko negativer Folgen von Inzucht. Letztere basiert auf der zu geringen Zahl ausgesetzter Individuen bei der Wiederansiedlung, sowie der fehlenden Verknüpfung der Schweizer Populationen mit benachbarten Populationen. In der jetzigen Grösse, genetischen Konstellation und Situation ist das langfristige Überleben der Schweizer Luchspopulation nicht gesichert.

Raum und Sozialstruktur

Ein Luchs markiert mit seinem Urin einen Holzstoss im verschneiten Wald.
Ihre Markierungen platzieren Luchse meist an markanten Strukturen wie Baumstrünken, Felsbrocken oder wie im Bild an Holzstapeln. Fotofallen-Aufnahme, Berner Oberland, 2011. © KORA

Der Luchs ist grundsätzlich ein Waldbewohner: Seine Jagdweise setzt einen deckungsreichen Lebensraum voraus. Eine Masterarbeit bei KORA hat die Raumnutzung der Luchse von heute mit derjenigen von vor 30 Jahren verglichen. Es wurde festgestellt, dass die Luchse vermehrt in höheren Lagen unterwegs sind, wo sie auch offenere Habitate häufiger nutzen. Der Luchs dringt aber auch immer mehr ins Mittelland vor, insbesondere südlich des Neuenburgersees wo es seit 2012 regelmässig Reproduktionsnachweise gibt. Die Zukunft wird zeigen, ob der Luchs das Mittelland besiedeln kann. Das dortige Nahrungsangebot ist zwar hoch, aber der Lebensraum ist stark fragmentiert and sehr linear. Solche Habitate sind weniger geeignet für die Etablierung der klassischen Sozialstruktur und die Luchse sind einem höheren Sterberisiko insbesondere durch Kollisionen ausgesetzt.

Luchse sind hauptsächlich nachtaktiv. Mit Ausnahme von Weibchen mit Jungtieren leben sie einzelgängerisch. In ihrem Revier dulden sie keine anderen erwachsenen Tiere des gleichen Geschlechts, aber Reviere von Männchen umfassen ein bis zwei Reviere von Weibchen. Die Reviergrösse der residenten Luchse schwankt in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot und vom Zustand der Population. In der Schweiz beträgt die Grösse mittlerer Wohngebiete von Weibchen 90 km² und von Männchen 150 km², können aber Extremwerte von 40–400 km² erreichen. Die Raumaufteilung zwischen den Luchsen wird mit Duftmarken aufrechterhalten. Luchse verständigen sich auch mit Rufen. Zwischen adulten Tieren ertönen diese vor allem während der Ranzzeit. In anderer Form werden sie aber auch zur Kommunikation zwischen Weibchen und ihren Jungen verwendet.

Fortpflanzung

Ein junger Luchs sitzt vor einem Steinvorsprung. Das andere Jungtier verkriecht sich unter dem Stein.
Diese zwei etwa einen Monat alte Luchsjungen sind noch vollständig von der Mutter abhängig. Berner Oberland, 2011. © Fridolin Zimmermann

Während der Ranzzeit (Paarungszeit) von März bis Mitte April sind Luchse öfter auch tagsüber aktiv. Vor allem während dieser Zeit verständigen sich die Luchs auch mit Rufen. Die Luchsin wirft nach einer Tragzeit von 68–73 Tagen Ende Mai oder Anfang Juni 1–4 (durchschnittlich 2) blinde Junge an einem geschützten Ort (z.B. Höhle, umgestürzter Baum). Die Luchsin sorgt allein für die Aufzucht der Jungen. Jungluchse leben von Milch, bis sie im Alter von 2 Monaten der Mutter an den Riss (gerissenes Beutetier) folgen können. Während rund zehn Monaten bleiben die Jungen bei der Luchsin. Danach lösen sie sich von ihr. Nach dem Verlassen der Mutter suchen sich die Jungtiere ein eigenes Revier. Luchse zeigen ein eher konservatives Abwanderungsverhalten. Abwanderungen von bis zu 300 km konnten zwar beobachtet werden, sind aber äusserst selten und betreffen ausschliesslich Männchen. So spektakulär diese Abwanderungen auch sein mögen, führten sie bis anhin nie zur Bildung einer neuen Population. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Weibchen im selben Zeitraum dieselbe entfernte Region aufsucht. Auch wenn Luchse nur relativ kurze Strecken zurücklegen, treffen sie auf verschiedene Habitat-Barrieren, z.B. breite Talsohlen mit ihren Gewässern, Siedlungen, Hauptverkehrsachsen oder das Hochgebirge. Luchse haben Mühe, solche Hindernisse in der Landschaft zu überwinden und sind dabei manchen Gefahren ausgesetzt. Nur ein Viertel aller Luchse erreicht das Erwachsenenalter. Nur wenn es ihm gelingt, ein freies Revier zu besetzen, kann ein junger Luchs sich langfristig etablieren und fortpflanzen.

Nahrung

Ein Luchs trägt ein totes Reh an der Kehle durch den Wald.
Luchs mit seiner Beute, einem Reh. Fotofallen-Aufnahme, 2012. © KORA

Der eurasische Luchs ist ein Jäger von kleinen Paarhufern. In diversen Radiotelemetrie-Studien in der Schweiz waren insgesamt 51.3% der Beutetiere Rehe und 28.5% Gämsen. Den restlichen Anteil bilden vor allem Feld- und Schneehasen, Füchse und Murmeltiere. Die Anteile der verschiedenen Beutetiere in der Nahrung können nicht nur in verschiedenen Gebieten, sondern auch im gleichen Gebiet über die Zeit stark variieren. Gehäufte Übergriffe auf Nutztiere – vor allem Schafe, seltener Ziegen – erfolgen lokal und zeitlich beschränkt, hauptsächlich wenn der regionale Wildbestand tief ist. Der Luchs ist ein Anschleich- und Überraschungsjäger, der die Beute nicht verfolgt. Er greift das Opfer mit den Krallen der Vorderpranken und tötet es mit einem gezielten Biss in die Kehle. Ein Reh oder eine Gämse wird während mehrerer Nächte vollständig verzehrt. Nur die groben Knochen, der Kopf, das Fell sowie der Verdauungstrakt bleiben übrig. Ein Luchs braucht pro Woche ungefähr ein Reh oder eine Gämse, d.h. rund 50–60 Tiere pro Jahr.

Geschichte in der Schweiz

Der Luchs starb in der Schweiz während des 19. Jahrhunderts aus. Die letzte historische Beobachtung erfolgte 1904 beim Simplonpass. Der Luchs wurde mit allen Mitteln verfolgt, aber auch die Lebensgrundlage war zerstört: Die Wälder waren weitgehend abgeholzt, die Beutetiere ausgerottet.

Mit der Wiederaufforstung der Wälder und der Rückkehr der wilden Paarhufer im 20. Jahrhundert waren die ökologischen Voraussetzungen für eine Wiederansiedlung gegeben. 1967 fasste der Bundesrat einen entsprechenden Beschluss. 1971 wurden die ersten Luchspaare aus den Karpaten im Kanton Obwalden freigelassen. Weitere Freilassungen erfolgten im Jura.

Seither haben sich in der Schweiz zwei Luchspopulationen entwickelt, im Jura und in den Nordwestalpen. Von dort wurden zwischen 2001 und 2008 einige Luchse im Rahmen des Projektes LUNO in die Nordostschweiz umgesiedelt, um die Ausbreitung der Art im Alpenraum zu fördern.

Mensch und Luchs

Luchse sind für Menschen keine Gefahr. Konflikte ergeben sich aus Übergriffen auf Nutztiere und der Konkurrenz zum Jäger um Rehe und Gämsen. Der Luchs ist geschützt, das Konzept Luchs Schweiz gibt aber Richtlinien für das Management vor. Gerissene Nutztiere werden von Bund und Kantonen vergütet. Bei wiederholten Angriffen sind Massnahmen zum Schutz der Herden vorgesehen. Wenn ein Luchs mehr als 14 Schafe oder Ziegen reisst, wird eine Abschussbewilligung erteilt. Falls der Luchs die lokale Reh- oder Gämsdichte so reduziert, dass die Jagd nicht mehr möglich ist, kann der Luchsbestand reduziert werden. Für einen Eingriff müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Die Reduktion erfolgt durch Einfang und Umsiedlung. Wenn das nicht möglich ist, sind Abschüsse vorgesehen. Das Ziel der Massnahmen ist, eine lokal hohe Dichte zu senken und gleichzeitig die Verbreitung des Luchses zu fördern.

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