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Luchs-Gems Projekt

Neben dem Reh ist die Gemse das wichtigste Beutetier für den Luchs in der Schweiz. Im Rahmen des Nordwestalpen III Projekts stellten wir fest, dass sich die Luchsprädation dabei insbesondere auf Gemskitze im Frühling und Sommer konzentriert. Das Luchs-Gems Projekt soll die gewonnenen Erkenntnisse vertiefen und zudem Beobachtungen von Gemsen im Studiengebiet miteinschliessen. Ziel ist es, den Einfluss von Luchs und Jagd auf die Gemse näher zu untersuchen.

Luchs-Gems Projekt

Einfluss von Luchsprädation und Jagd auf die Gemse

Eine Gemse tappt in eine für den Luchs gestellte Fotofalle. © KORA

Hintergrund

In Teilen der Schweiz und des angrenzenden Auslands scheinen die Gemsbestände in den letzten Jahren stark rückläufig gewesen zu sein. Die genauen Ursachen für die beobachteten Rückgänge sind jedoch weitgehend unbekannt. Als mögliche Faktoren werden z. B. ungünstige Klimabedingungen, Störungen durch Freizeitaktivitäten, ein zu hoher Jagddruck, Prädation durch den Luchs oder Konkurrenz mit anderen Arten (z.B. Rothirsch) genannt. In Regionen, wo der Luchs präsent ist und die Gemse gleichzeitig bejagt wird, stellt sich die Frage, welchen Einfluss beide Faktoren auf die Bestandsentwicklung der Gemsen haben. Unser Projekt hat zum Ziel, den Einfluss von Luchs und Jagd auf die Gemse näher zu untersuchen und im Verhältnis zu anderen Faktoren (z.B. Wintersterblichkeit) zu beurteilen. Als Fallbeispiel dient hier der Kanton Bern, die Resultate sollen aber auch für andere Regionen relevant sein.

Methoden

Zur Beantwortung unserer Fragestellung wählen wir drei verschiedene Ansätze:

1) Im Rahmen einer Feldstudie werden zwischen 2016 und 2018 Luchse in verschiedenen Gebieten des Berner Oberlands sendermarkiert um möglichst alle von ihnen gerissenen Beutetiere zu finden. Gleichzeitig werden in denselben Gebieten verschiedene Gemsrudel mehrmals pro Jahr beobachtet um den jährlichen Zuwachs zu messen. Ausserdem werden Daten zu anderen Todesursachen der Gemsen (z.B. Krankheit, Winter) und zu menschbedingten Faktoren (z.B. Jagd, Störung) gesammelt.

2) Bereits vorhandene Daten aus Jagdstatistik und Luchs-Monitoring werden zusammengetragen. Basierend auf diesen Daten werden Gemsbestände verschiedener Wildräume des Kantons Bern rekonstruiert und mit anderen Regionen (z.B. Kantone ohne Luchspräsenz) verglichen. Der langfristige Einfluss von Luchs, Jagd und anderen Faktoren (z.B. Klima) auf die Populationsentwicklung der Gemsen soll so retrospektiv abgeschätzt werden.

3) Mithilfe theoretischer Populationsmodelle können Management-Szenarien unter verschiedenen Zielsetzungen und Annahmen durchgespielt werden. Die Modelle sollen als Entscheidungsgrundlage dienen, um das jagdliche Management in Gebieten mit Luchspräsenz falls nötig zu optimieren.

Luchs SELO frisst an einer gerissenen Gemse. © KORA

Projekt Information

 

Das Luchs-Gems Projekt wird parallel zum Luchs-Genetik Projekt in Absprache mit den beteiligten Kantonen und den lokalen Wildhütern durchgeführt. Der Luchs-Teil des Projekts wird von KORA geleitet und von einer privaten Stiftung finanziert. Der Gems-Teil wird von Dr. Christian Willisch geleitet und durch das Jagdinspektorat des Kantons Bern, die Stotzer-Kästli-Stiftung und die Zigerli-Hegi-Stiftung unterstützt.

Projekt Dauer: 2015-2018

Untersuchungsgebiet: Nordwestalpen

Projekt Partner:

  • Dr. Christian Willisch, FIWI, Universität Bern
  • Jagdinspektorat/Wildhüter Kanton Bern
  • Universität Basel

Kontakt KORA: Kristina Vogt