KORA

Wildkatzen Projekt

Die europäische Wildkatze Felis sylvestris ist eine geschützte Art. Der Status der Wildkatze in der Schweiz wurde erst in den vergangenen Jahren erstmals aufgenommen und lässt vermuten, dass sich einige hundert Tiere vorwiegend im Jura aufhalten. Die Wildkatze breitet sich aus und scheint auch neue Gebiete zu besiedeln. Ihre genaue Verbreitung und Populationsdynamik sind jedoch nicht bekannt.

Im Rahmen des Luchs-Monitorings werden in manchen Regionen auch Wildkatzen fotografiert. In einem Pilotprojekt wird nun ein Wildkatzen-Monitoring anhand von Fotofallen synergetisch zum Luchs-Monitoring im Jura zur Bestimmung der Abundanz der Wildkatzenpopulation getestet.

Monitoring zum Schutz der Wildkatze in der Schweiz

© KORA

Hintergrund

Wildkatzen sind heimliche Waldbewohner. Wildkatzen leben solitär und standorttreu in Revieren von variierender Grösse, die von Ressourcen wie dem Nahrungsangebot, dem Vorhandensein von Ruheplätzen, aber auch von der Jahreszeit abhängen. In der Schweiz war die Wildkatze im Mittelland und im Jura weit verbreitet, ab dem 19. Jahrhundert begrenzte sich ihr Vorkommen auf den Jura. Ob sie danach im Verlauf des 20 Jahrhunderts im Jura ausgerottet wurde oder eine Restpopulation überlebt hat, bleibt offen.

Heute wird die Wildkatze im Schweizer Jura wieder regelmässig beobachtet. Sie breitet sich im Jura aus und scheint auch langsam das Mittelland zu besiedeln. Die genaue Verbreitung und die Populationsdynamik der Wildkatze in der Schweiz sind nicht bekannt. Es existiert kein langfristiges etabliertes Monitoring, und Meldungen von Sichtbeobachtungen sind nicht zuverlässig auf Grund des Risikos einer Verwechslung mit wildkatzenähnlichen Hauskatzen. Das letzte Monitoring der Wildkatze im Jura wurde von Hintermann und Weber im Auftrag des Bundes von 2008-2010 durchgeführt.

Mit dem deterministischen Luchs-Fotofallen-Monitoring wird der Schweizer Jura gut abgedeckt. Dabei werden auch viele "Wildkatzen" fotografiert. Das Ziel dieses Pilotprojektes ist die Entwicklung eines Wildkatzen-Monitorings mittels Fotofallen synergetisch zum Luchs-Monitoring zur Bestimmung der Abundanz der Wildkatzenpopulation im Jura.

 

Folgende Ziele werden verfolgt:

  • Identifikation optimaler Parameter (z.Bsp. Fläche und Anzahl Standorte) für ein Wildkatzen-Referenzgebiet innerhalb des Luchs-Referenzgebietes;
  • Etablierung von Kriterien für die phänotypische Bestimmung von Wildkatzen aus dem Jura anhand von Fotofallen-Bildern; 
  • Etablierung von Methoden und Kriterien zur individuellen Bestimmung von Wildkatzen;
  • Auswertung zur Berechnung der Wildkatzenabundanz und Dichte.

Methoden

Eine Master-Arbeit von 2010 hat gezeigt, dass selbst Wildkatzen-Experten die Tiere anhand von Fotos nicht mit Sicherheit unterscheiden können. Es scheint, dass „allgemeine Merkmale“ offenbar für eine bestimmte Region (hier für die Jura-Population) angepasst und kalibriert werden müssen. Mit Hilfe der in der Pilotstudie gewonnenen Resultate wird  ein phänotypischer Kriterienkatalog für die Wildkatze im Schweizer Jura erstellt.

Während des Luchs-Monitorings im Jura (je 60 Nächte/Winter, 50–60 Stationen mit je 2 Fotofallen auf einer Fläche von etwa 600–700 km²) werden auf einer Teilfläche des Referenzgebietes Fotofallen-Standorte in höherer Dichte auf Wildkatzen ausgerichtet. Jeder dieser Wildkatzen-Standorte wird zusätzlich zu zwei Weissblitzfotofallen mit einem „Lockstock“ ausgestattet. Diese Lockstöcke (raue Holzpfosten) werden mit Baldriantinktur besprüht, um Wildkatzen anzulocken. Wildkatzen reiben sich an den Holzpfosten und hinterlassen Haarproben. Diese können für spätere genetische Analysen verwendet werden. Die Wildkatzen, die auf Grund des Phänotyps auf den Fotofallen-Bildern identifiziert wurden, geben Informationen über die Verbreitung der Art so wie über Interaktionen mit Hauskatzen im Studiengebiet. Für mehrfach fotografierte Wildkatzen, die individuell erkennbar sind, können ihre winterlichen Streifgebiete, beziehungsweise Abundanz und Dichte der Wildkatzenpopulation mittels Fang-Wiederfang-Methodik geschätzt werden.

Eine Wildkatze fotografiert an einem Wildkatzen-Standort. Im Hintergrund ist der Lockstock und die zweite Fotofalle sichtbar. © KORA
Eine Wildkatze reibt sich an einem Lockstock, der mit Baldriantinktur besprüht wurde. © KORA

Studiengebiet

Wildkatzen-Raster im Jura Nord (schwarzes Viereck: 10x10km Raster, blau: Luchs-Referenzgebiet, weisse Punkte: Luchs-Standorte, rote Punkte: Wildkatzen-Standorte). © KORA
Das Wildkatzen-Referenzgebiet im Jura Nord für den Winter 2015/16 umfasst 64 Standorte. Diese sind mit je 2 Fotofallen und einem mit Baldriantinktur besprühten Lockstock ausgestattet. © KORA

Projekt Information

 

Das Pilotprojekt für das Wildkatzen-Monitoring wird parallel zum jeweiligen deterministischen Luchs-Monitoring im Jura in Absprache mit den beteiligten Kantonen und den lokalen Wildhütern durchgeführt. Finanziert wird das Projekt von einer privaten Stiftung, die Naturschutzthemen unterstützt.

Projektdauer: 2015-2018

Untersuchungsgebiet: Jura, Schweiz

Kontakt KORA: Fridolin Zimmermann, Florin Kunz, Lea Maronde (lea.maronde(at)gmx.de)