KORA

Spuren

Spuren sind wertvolle, aber oft trügerische und vergängliche Feldzeichen. Ihre Lebensdauer ist sehr kurz. Der Regen verwischt eine Spur, im Schnee schmilzt sie dahin. Dabei verformt sich der Umriss, und „sichere“ Merkmale verschwinden. Trittsiegel werden undeutlicher, grösser und damit leicht zu verwechseln. Daher ist es wichtig immer das Gesamtbild der Spur zu betrachten: ausapernde Spuren werden zwar immer grösser, die Schrittweite jedoch nicht! Ebenso können so das Verhalten und das Bewegungsmuster des Tieres erkannt werden und wichtige Hinweise auf die Art geben.

Luchsspur Zeichnung

Wolfsspur Zeichnung

Bärenspur Zeichnung

Luchs

Der oft typische Verlauf einer Luchsspur in gerader Linie ist hier klar erkennbar
© Andreas Ryser

Luchse haben – wie alle Katzen mit Ausnahme der Geparden – einziehbare Krallen. Daher sind die Krallen in den Trittsiegeln in der Regel nicht sichtbar. Falls sie, z. B. in sehr steilem Gelände oder auf vereistem Schnee, doch abzeichnen, so sind sie sehr fein und scharf.
Das Trittsiegel ist rund und misst bei adulten Luchsen im Durchmesser 7 – 9 cm. Die einzelnen Zehenballen sind asymmetrisch angeordnet. Die Vorderpfote ist deutlich grösser als die Hinterpfote.

Einzelne Trittsiegel können mit Hundspuren verwechselt werden, bei denen die Krallen keine Abdrücke hinterliessen. Von daher ist es wichtig, immer die ganze Spur mit in Betracht zu ziehen. Luchsspuren wirken meist sehr „zielstrebig“, sie verlaufen in geraden Linien, anders als beim Hund, der oft suchend eine Zick-zack Spur hinterlässt. Auch sind Luchse sehr wendig und spazieren oft über Mauern, umgefallene Bäume oder Felsvorsprünge. Grosse Sätze und weite Sprünge, besonders wenn sie vertikal erfolgen, sind typisch für den Luchs.

 

In der Regel sind die Krallen in den Trittsiegeln des Luchses nicht sichtbar © Breitenmoser

Wolf

Wolfsspuren sind von Hundespuren kaum unterscheidbar © Ralph Manz

Trittsiegel von Wölfen sind oval. Die Zehenballen eines Wolfes sind im Durchschnitt etwas länger als beim Hund, ebenso die Krallenabdrücke. Beim Wolf sind die mittleren Zehenballen am unteren Rand oft zusammen gewachsen, was jedoch in der Spur nicht leicht zu erkennen ist. Vorderpfoten messen bis 11 cm Länge und 8 cm Breite, Hinterpfoten sind kleiner mit 8 cm Länge und 7 cm Breite. Bei der Grösse der Trittsiegel ist zu beachten, dass an der Expansionsfront der Wolfspopulation vor allem subadulte Individuen unterwegs sind, deren Spuren kleiner sein können.

Wolfsspuren sind von Hundespuren kaum zu unterscheiden.  Hier kann nur das Verfolgen der Spur über eine längere Distanz und somit die Betrachtung des Bewegungsmusters und Verhalten Aufschluss geben. Dies setzt neben fundierter Artenkenntnis gute Bedingungen und Vertrautheit mit den lokalen Verhältnissen voraus.

Die ovale Form des Wolfs Trittsiegels ist hier gut erkennbar © Jean-Marc Weber

Braunbär

Die Hinterpfote lässt sich klar von der Vorderpfote unterscheiden, da sie länger als breit ist © PPNEA/SCOPES-BLRP

Die Spuren des Braunbären sind unverkennbar. Der Bär ist ein Sohlengänger und hinterlässt in seinen Spuren Abdrücke von fünf Zehenballen mit deutlich erkennbaren Krallen. Wie beim Menschen können rechte und linke Pfoten problemlos unterschieden werden. Die Vorderpfote ergibt einen kurzen, breiten Abdruck. Die Hinterpfote, von der häufig die ganze Fusssohle abzeichnet, ist länger als breit und kann bei adulten Bären bis zu 22 cm lang sein. Die Grösse ist vom Alter des Tieres abhängig und kann bei einem sehr jungen Bären sogar im Bereich einer Dachsspur liegen!

Im typischen Gang liegen die Hinterfussabdrücke etwas vor denen der Vorderpfoten. Soll es schnell gehen, so fällt der Bär in einen Quer-Galopp.

 

Die Spuren des Braunbären sind unverkennbar © PPNEA/SCOPES-BLRP